Turnmatte statt Holzhobel

In ehemaliger Schreinerei Horn finden Therapien für bewegungsgestörte Kinder statt

Turnmatte statt Holzhobel

Rommerode. Die Belastung ist hoch und zehrt an den Nerven. Trotzdem ist sich Petra Hugo sicher, das Richtige zu tun, für ihren Sohn. Ihr neunjähriger Alexander ist bewegungsgestört, kann nicht selbstständig laufen.

Förderung von bewegungsgestörten Kindern nach der Petö-Methode: Konduktorin Zsuzsa Faragó mit von links Jonas Möller (5), Alexander Horn (9) und Alexander Speer (15). Foto: Moriße

Daher nimmt er an der ungarischen Petö-Therapie teil: einer auf die ganzheitliche Behandlung ausgerichteten Förderungsmethode. Für die Therapie hat seit einer Woche eine neu gegründete Selbsthilfegruppe einen Raum in der Schreinerei Horn in Rommerode bezogen.

Die konduktive Förderung geht auf den ungarischen Arzt Dr. András Petö zurück und vereint physio- und ergotherapeutische, also bewegungsbetonte Ansätze mit logopädischen für Sprech- und Hörbeeinträchtigungen. „Die Kinder lernen zusammen in der Gruppe, die Übungen sind aber individuell auf sie zugeschnitten“, erklärt Werner Speer, der die Selbsthilfegruppe initiiert hat.

Üben mit Bällen und Klötzen

Die Behinderung geht auf einen Sauerstoffmangel im Gehirn zurück. Die Muskeln der Kinder sind ständig angespannt, Bewegungsbefehle vom Gehirn können sie gar nicht oder nur schwerfällig umsetzen. So ist der neunjährige Alexander. für kurze Strecken auf Gehstöcke angewiesen, für längere braucht er einen Rollstuhl. Man müsse sich das so vorstellen, als hätten er permanent starken Muskelkater, erklärt seine Mutter Petra Horn. Und Alexander Speer ergänzt: „Auch wenn Übungen mit Bällen und Holzklötzchen spielerisch aussehen, strengt es die Kinder sehr an.“

Die Therapie, die konzentriert auf drei aufeinander folgenden Tagen an ein Dutzend Wochenenden im Jahr stattfindet, lief früher über den Verein Fortschritt Nordhessen. Dieser hat sich nun auf Angebote in Kassel beschränkt. Ein zu weiter Weg für Betroffene aus den Kreisen Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg. Schließlich müssen die Kinder jeden Morgen hingebracht und nach sechs Stunden wieder abgeholt werden. Daher hat Werner Speer die ehemalige Schreinerei Horn zusammen mit dem Besitzer umgestaltet, behindertengerechte Toiletten, eine Küche und Heizungen eingebaut. Auf dem Boden liegen Turnmatten, bunte Spielgeräte, an den Wänden hängen Klettersprossen. „Das reicht für den Anfang, weitere Kletterwände, Turnbänke und Gehbarren sind aber sinnvoll“, sagt Speer.

So eben anschaffen könne er diese nicht. Denn da die Petö-Methode nicht von den Krankenkassen bezahlt wird, fallen pro Therapietag Kosten in Höhe von 50 Euro an. Die finanzielle Belastung sei hoch, sagt Petra Horn, doch letztendlich rentiere sie sich. Denn auch wenn ihr Sohn Alex immer nur kleine Fortschritte macht, ist jeder für sie ein großer Erfolg. • Kontakt: Werner Speer, Mail: fueralexander@t-online.de, Tel. 0 56 02 / 91 32 96

Von Stefan Morisse